Schwitzen der Hunde

Kurzhaarfrisuren und deren Auswirkung auf das Schwitzen der Hunde

In der Zeitschrift „Mein Hund und ich“ las ich in der Ausgabe 5/2013 Sep/Okt auf der Seite 37 folgenden Artikel:
Mein Hund und ich Praxistipp – Sicher durch den Sommer – Vorsicht, Hitze
 
„Achten Sie auf Frisur und Figur“
…Doch nicht nur eine schlanke Sommerfigur kann Erleichterung bringen, auch eine Sommerfrisur ist wichtig, denn Hunde mit einem dicken Pelz leiden in den Sommermonaten. Erleichterung bringt ein Kurzhaarschnitt oder das Ausdünnen der Wolle…“
Im Sinne der Tiergesundheit bat ich die Redaktion um Richtigstellung.
Diese ist bis heute jedoch nicht erfolgt.
Von Kunden höre ich insbesondere in den Sommermonaten immer wieder: „…bitte geben Sie mir schnell einen Termin zum Abscheren meines Hundes. Der schwitzt so doll und quält sich bei der Hitze!…“
Ich lehne es konsequent ab, Hunde aus Gründen des angeblich verstärkten Schwitzens und des Haarens runterzuscheren.
Und der Grund hierfür ist ganz einfach:
Hunde schwitzen nicht über die Haut sondern über die Pfoten (Ballen), Brustwarzen und die Zunge. Ob das Fell nun lang, kurz, dicht, dünn, mit und ohne Unterwolle oder gar nicht vorhanden ist (so wie beim Chinesischen Schopfhund), die Hunde schwitzen trotzdem. Bei 25 Grad Aussentemperatur im Schatten schwitzt jeder!
Sicher hört man auch immer wieder nach einer Komplettschur: „…mein Pfiffi war danach so putz munter. Der ist wieder rum gesprungen und war so glücklich über seine neue Frisur; ein ganz anderer Hund…“ Das lag jedoch nicht am Kurzhaarschnitt sondern daran, dass Kletten, Schmutz, Filz und totes Haar heraus gearbeitet wurden.
Im Gegensatz zu uns Menschen, die entsprechend der Jahreszeiten auch entsprechende Anziehsachen im Schrank hängen haben (wir haben sogar Übergangskleidungsstücke), hat der Hund nur sein Fell. Dieses schützt ihn, so wie es ihm gewachsen ist, vor jeglichen Witterungseinflüssen wie Regen, Wind, Kälte UND Wärme, Sonne, sogar UV-Strahlung.
Auch Hunde können einen Sonnenbrand und auch Hautkrebs bekommen. Diese Gefahr ist bei abgeschorenen Hunden bzw. Hunden mit Kurzhaarschnitt und denen ohne Unterwolle besonders groß.
Das Abscheren hat noch viele weitere negative Folgen. So wird die Haarstruktur aufgebrochen und damit zerstört. D.h. das Haar wird weicher, dünner, wolliger, filzanfälliger, farbloser und zeigt sich insgesamt auch pflegeintensiver. Besonders ist dieses bei Rauhaarrassen zu beobachten.
Aber auch bei Rassen wie dem Havaneser oder dem Yorkshire Terrier ist eine negative Veränderung des Fells durch die Schur sehr schnell zu beobachten. So wird bei ihnen das Haar lockiger und heller. Der Yorki z.B. wird immer silbriger/grauer und der Havaneser verliert seine Farben zunehmend.
Bei Rassen mit extrem viel Unterwolle w .z.B. dem Neufundländer wird durch die Schur das Wachstum der Unterwolle so stark angeregt, dass diese im Laufe der Zeit das Deckhaar überwuchert und dieses damit verdrängt. Das liegt darin begründet, dass die Unterwolle schneller wächst wie das Deckhaar. Im Ergebnis hat der Hund nur noch seine Unterwolle, die natürlich zum sehr starken Verfilzen tendiert. Ein Teufelskreis des endlosen Bürstens und Abscherens beginnt.
Hunde haaren nicht weniger, nur weil das Fell kurz geschoren wird, da das Haar lediglich gekürzt und nicht aus der Haarwurzel herausgearbeitet wird. Ein langes ausgefallenes Haar fällt nur mehr auf wie ein etwa 2,8 mm kurzes Haar!
Ich schere nur dann runter, wenn der Hund so stark verfilzt ist, dass das Prozedere des Entfilzens für den betreffenden Hund nicht mehr tragbar ist und wenn es tierärztlich, und damit aus gesundheitlichen/therapeutischen Gründen, nicht vermeidbar ist.
Auch höre ich im Zusammenhang mit einer Komplettschur Kommentare wie: „…och du mein süsser Pfiffi; jetzt siehst du aber wieder schick aus…“
Es geht bei einer Schur nicht darum, dass der Hund anschliessend schick aussieht (dieses ist sowieso relativ zu betrachten, denn ein abgeschorener Hund ist kein schicker Hund – die rassetypische Optik geht zu 100% verloren und ein Hund sieht aus wie der andere – umsonst spricht man nicht auch von Einheitsschur!). In erster Linie sollte durch eine unabwendbare Schur ein nicht unerheblicher Beitrag zur Hundegesundheit geleistet werden!

Zum guten Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, daß es etliche Hunde gibt, die mit einem Kurzhaarschnitt überhaupt nicht zurecht kommen. Sie verkriechen sich im wahrsten Sinne des Wortes und verstehen die Welt nicht mehr. Versuchen Sie bitte einfach nur mal zu verstehen, dass ein kurzes Fell ein ganz anderes Körpergefühl verursacht wie ein langes Fell. So wird z.B. der Wind ganz anders – viel intensiver – wahrgenommen.

Keine Frage, es gibt genügend Hundesalons/ Hundefriseure, die aus Gründen des Zeitaufwandes, der Kosten oder auch der fehlenden Kompetenz fix runterscheren, ohne sich mit den Folgen wirklich auseinanderzusetzen. Ich arbeite daran, insbesondere beim Hundehalter für fachlich begründete Aufklärung zu sorgen und ihnen bewusst zu machen, dass schnell und billig nicht auch gleichzeitig gesund und gut bedeutet.